Nokia 5800 - das iPhone unter den Nokia Handys

Nachdem mein Handy vorige Woche den Geist aufgegeben hat, habe ich mir jetzt ein neues gekauft. Fest stand: Auch ich wollte nun so ein vielseitiges Smartphone haben – mit Touchscreen, E-Mail, Navigation und so weiter. Als Nonplusultra auf diesem Gebiet gilt ja schon lange das Apple iPhone. Weil ich dieses aber zu teuer finde (bin ja schließlich ein eVendianer), habe ich mir die Alternativen angesehen und bin schließlich beim Nokia 5800 hängen geblieben. Nach dem ersten Wochenende mit meinem neuen Handy kommt hier mein kleiner Testbericht. Hält das Nokia 5800 dem Vergleich mit dem iPhone stand?

Ich bin ja grundsätzlich eher Apple-Skeptiker. Sicher, die meisten Geräte mit dem angebissenen Apfel sind schön und gut – aber eben nicht so viel schöner und besser, wie sie teurer sind als vergleichbare Produkte. Jüngstes Beispiel: das neue iPad. Wie auch das iPhone sieht es echt lecker aus, keine Frage. Aber wenn ich mir ganz nüchtern das Preis-Leistungsverhältnis ansehe: Autsch! Kein Multitasking, keine Flash-Inhalte, keine USB-Schnittstellen, kein Speicherkarten-Steckplatz, keine Kamera, kein Mikrofon, keine Hardware-Tastatur, kein UMTS in der Basisversion. Und das alles für rund 500 bis 850 Euro! Ein bisschen viel für ein modisches Surf-Accessoire mit eingeschränktem Nutzwert, meint Ihr nicht auch? Schon für die Hälfte bekommt man schließlich eine Vielzahl von Netbooks, die all dies haben beziehungsweise können und noch einiges mehr.

Ich schweife ab, Verzeihung! Zurück zu meinem Vergleichstest zwischen iPhone und Nokia 5800. Genauso wie die Netbooks in meinem Vergleich von eben erreicht mein Nokia 5800 natürlich nicht den hohen Bling-Bling-Faktor des iPhones. Mit seiner schlichten Optik zieht es wohl nur wenige bewundernde Blicke auf sich. Aber was die Features angeht, braucht sich das Nokia 5800 wirklich nicht hinter dem iPhone zu verstecken: Es bringt eigentlich alles mit, was auch das iPhone bietet – zum Beispiel GPS-Ortung inklusive A-GPS, kostenlose Sprach-Navigation, einen Lagesensor, QuadBand, EDGE, GPRS, UMTS mit HSDPA, Bluetooth, WLAN, Organizer- und Office-Funktionen etc.

Die kleinen Unterschiede fallen da wenig ins Gewicht: Zum Beispiel hat das iPhone 3GS einen integrierten Kompass, während das Nokia 5800 ebenso wie das iPhone 3G die Kompassanzeige „nur“ anhand der GPS-Daten errechnet. Daher ist der Kompass nur solange korrekt, wie der Benutzer in Bewegung bleibt. Das iPhone 3GS dagegen zeigt auch dann die Himmelsrichtungen richtig an, wenn es sich nicht vom Fleck bewegt. Das dürfte aber allenfalls beim Geocaching einen gewissen Vorteil bedeuten. Auf der anderen Seite weisen die Kamera (3.2 Megapixel) und das Touchscreen-Display (640 mal 360 Pixel) des Nokia 5800 sogar eine etwas höhere Auflösung auf als die Kamera (3,1 Megapixel) und das Display (480 mal 320 Pixel) des iPhones. Der entscheidende Unterschied ist und bleibt also der Preis: Im Preisvergleich ist das Nokia 5800 aktuell schon für 199 Euro zu haben – für ein iPhone müsst Ihr je nach Modell ab rund 470 bis mindestens rund 720 Euro berappen.

Kommt diese Differenz also nur dadurch zustande, dass die iPhone-Preise überzogen sind? Nur zum Teil. Fairerweise will ich nicht verschweigen, woran sie beim Nokia 5800 gespart haben: Die verbauten Materialien sind deutlich weniger edel als beim iPhone. Das Nokia 5800 hat natürlich kein Alu-Gehäuse wie das iPhone, sondern eines aus schlichtem schwarzen Plastik. Es ist auch keine flache Flunder, sondern hat die klassische „Candy Bar“-Form. Mir persönlich ist das aber sogar lieber, weil sich ein weniger breites Handy besser in die Hosentasche stecken lässt. Außerdem muss ich anerkennen, dass der Touchscreen des Nokia 5800 nicht ganz so perfekt reagiert wie der des iPhones. Ich komme aber trotzdem gut damit klar.

Davon abgesehen ist die Verarbeitung nicht unbedingt das, was man „heavy duty“ nennt: Das Nokia 5800 ist ein Handy, mit dem man behutsam umgehen sollte. Zum Beispiel solltet Ihr vermeiden, den Akkufach-Deckel öfter als unbedingt notwendig zu öffnen. Der ist nämlich nur aufgesteckt und wird lediglich von vier filigranen Plastiknuten gehalten. Und bis die ausleiern oder sogar abbrechen, ist es sonst wohl nur eine Frage der Zeit. Auch den Stylus, der bei der Touchscreen-Bedienung nützlich sein kann, werde ich lieber nur so wenig wie möglich verwenden. Bei dessen Halterung scheint es ebenfalls vorprogrammiert, dass sie ausleiert und der Stift irgendwann von allein herausfällt. Aber immerhin bringt das Nokia 5800 eine Alternative mit, die mich sehr überzeugt hat: ein Plektrum, das am Trageriemen des Handys hängt und auf diese Weise immer griffbereit ist. Besonders jetzt im Winter ist das Plektrum viel praktischer als der Stylus oder die Finger, weil man damit das Handy bedienen kann, ohne die Handschuhe auszuziehen.

Fazit: Wenn Ihr Geld sparen wollt und es Euch mehr auf die „inneren Werte“ ankommt als auf ein stylisches Äußeres, dann solltet Ihr euch iPhone-Alternativen wie etwa das Nokia  5800 genauer ansehen – es sei denn, Ihr gehört zu den Leuten, die ihr Handy täglich fallen lassen oder es ähnlichen „Härtetests“ aussetzen. Mir jedenfalls kommen genug Dinge in den Sinn, für die ich mein Geld lieber ausgebe als für ein Prestigeobjekt wie das iPhone.

Kommentare

nokia vs apple

danke fuer diesen vergleich. spricht mir aus der seele. roderich

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