30 Jahre „Spiel des Jahres“ - Welches ist das allerbeste? (Teil 1)

Es gibt ja eine ganze Menge von Produkten, für die Deutschland und die Deutschen im Ausland berühmt sind – wisst Ihr ja: die hochwertigen Autos, die riesige Auswahl an Brot-, Wurst- und Biersorten, die langlebigen Industriemaschinen und so weiter. Aber wusstet Ihr auch, dass wir für unsere Brettspiele bekannt sind? Kein Witz! Die sogenannten „german style board games“ sind praktisch weltweit ein Begriff. Nicht ganz unschuldig daran ist der renommierte deutsche Kritikerpreis „Spiel des Jahres“. Der wurde dieses Jahr nun schon zum dreißigsten Mal verliehen. Und weil Gesellschaftsspiele ja auch schöne Weihnachtsgeschenke sind, dachte ich mir: Bei der Gelegenheit kann man die Preisträger der vergangenen Jahre doch mal „Paroli laufen lassen“, wie Horst Hrubesch sagen würde.

Dabei interessiert mich vor allem, wie Ihr über die Spiele denkt: Welche der Spiele findet Ihr überschätzt? Welche anderen hätten den Preis viel eher verdient? Und das Wichtigste: Welches ist für Euch das absolut beste Spiel der vergangenen 30 Jahre? Eure Anregungen fließen dann in meinen News-Artikel zu diesem Thema ein, der nächste Woche bei eVendi.de erscheint. Darin werde ich dann auch ein bisschen genauer erklären, was eigentlich das Typische an einem „german style board game“ ist.

Wir sind gespannt auf Eure Meinung – daher schreibt doch gerne unten einen Kommentar! Jetzt aber erstmal die bisherigen Preisträger im Überblick:

1979 – Hase und Igel
Das allererste „Spiel des Jahres“. Auf den ersten Blick ist HASE UND IGEL ein relativ simples Wettrennen, auf den zweiten ein sehr taktisches Spiel, bei dem das Glück fast keine Rolle spielt. Das Entscheidende ist, die eigenen Ressourcen und die der Gegner ständig neu abzuschätzen, um sich klug zu positionieren. Oft gilt auch hier: Die Letzten werden die Ersten sein!

1980 – Rummikub
Kurz gesagt ist RUMMIKUB eine Abwandlung des traditionellen Kartenspiels Rommé, bei dem mit Steinen statt Karten gespielt wird. Es geht darum, die eigenen Spielsteine möglichst schnell in Gruppen oder Reihen abzulegen. Schön: RUMMIKUB kann man jedem Neuling in fünf Minuten erklären und trotzdem ist es abwechslungsreich.

1981 – Focus
FOCUS ist ein klassisches Denkspiel für zwei Personen und erinnert insofern ein bisschen an Dame oder Schach. Die Spieler versuchen, durch geschickte Züge möglichst viele der gegnerischen Spielsteine aus dem Verkehr zu ziehen. Das Tolle an FOCUS ist, dass es trotz simpelster Grundregeln eine enorme Komplexität erreicht.
 
1982 – Sagaland
SAGALAND verbindet die Spielprinzipien von Mensch-ärgere-dich-nicht und Memory. Das Spiel erfordert nicht allzu viel strategisches Denken und eignet sich hervorragend für Spielerrunden mit großem Altersunterschied. Im Wesentlichen bringen Glück beim Würfeln und gute Merkfähigkeit den Sieg. Besonders zu erwähnen ist das sehr liebevoll und aufwendig gestaltete Spielbrett.

1983 – Scotland Yard
Quer durch London jagen Detektive den Verbrecher Mr. X, der sich nur hin und wieder offen zeigt. Bei SCOTLAND YARD kommt es auf cleveres Kombinieren und vor allem auf Teamwork an. Ohne gute Koordination haben die Detektive keine Chance, Mr. X zu fassen. Problematisch kann es werden, wenn alle Mitspieler das unsichtbare Phantom sein wollen.

1984 – Dampfross
DAMPFROSS ist ein Wirtschaftsspiel, das in der Pionierzeit des Eisenbahnbaus angesiedelt ist. In der ersten Phase baut jeder Spieler sein eigenes Schienennetz auf und versucht in der zweiten Phase, am meisten Profit aus dem Fahrbetrieb zu ziehen. Immer wieder muss man sich entscheiden, ob man mit anderen kooperiert oder lieber auf eigene Faust den Erfolg sucht.

1985 – Sherlock Holmes' Criminal-Cabinet

Dieses Spiel ist ein untypisches Gesellschaftsspiel, bei dem nicht gegen-, sondern miteinander gespielt wird. Alle Teilnehmer versuchen gemeinsam, einen von mehreren rätselhaften Kriminalfällen zu lösen. Dabei helfen etwa ein Stadtplan von London, ein Londoner Adressbuch, ein Zeitungsarchiv und ein Buch der Indizien. Gute Auffassungsgabe und logisches Denken sind gefragt!

1986 – Heimlich & Co.
Bei HEIMLICH & CO. sind sieben Agenten, die von allen Spielern gleichermaßen gezogen werden dürfen, auf der Jagd nach einem versteckten Tresor. Der besondere Reiz: Jeder weiß nur, welche Spielfigur die eigene ist. Die Identität der Gegenspieler ist unbekannt. Das wichtigste ist daher, unauffällig zu bleiben und sein Geheimnis zu wahren, damit die anderen nicht den eigenen Agenten ins Unglück stürzen.

1987 – Auf Achse
Bei diesem Wirtschaftsspiel werden die Teilnehmer zu konkurrierenden Spediteuren, die um Aufträge wetteifern und versuchen, möglichst viel Gewinn einzustecken. Weil die Regeln recht einfach sind, ist AUF ACHSE ein gutes Spiel für die ganze Familie. Trotzdem ist einiges logistisches Geschick gefordert, um die Güter möglichst effizient zu transportieren. Wer seine Aufträge am klügsten kombiniert und seinen Brummi am besten auslastet, gewinnt.

1988 – Barbarossa und die Rätselmeister
Bei BARBAROSSA UND DIE RÄTSELMEISTER kommt es darauf an, die Rätsel der Gegenspieler mithilfe von Fragen und logischen Schlüssen zu lösen, und die eigenen Rätsel möglichst ungelöst zu erhalten. Das Spiel setzt ganz auf die Kommunikation untereinander und hat erfordert, dass man permanent mitdenkt – auch wenn man gerade gar nicht dran ist. BARBAROSSA UND DIE RÄTSELMEISTER war das erste Spiel von Klaus Teuber, das zum Spiel des Jahres gekürt wurde. Dieser Erfolg sollte dem heutigen Superstar der Spiele-Autoren noch öfter vergönnt sein.

1989 – Café International
Im CAFÉ INTERNATIONAL, einem Legespiel, herrschen strenge Tischsitten: So darf zum Beispiel jeder Gast nur an einem Tisch der eigenen Nation sitzen und bevor ein Mann an einem Tisch sitzt, darf dort keine zweite Frau sitzen und umgekehrt. Die Spieler müssen ihre Chancen erkennen, Gäste geschickt zu platzieren, um Punkte zu bekommen. Für ihre Gegner können sie sich dabei manche Gemeinheit einfallen lassen.

1990 – Adel verpflichtet
In ADEL VERPFLICHTET werden die Spieler zu skrupellosen englischen Lords, die darum wetteifern, die größten und wertvollsten Antiquitäten zu sammeln und auszustellen. Dabei nehmen sie an Auktionen teil und setzen auch Diebe und Detektive ein, um ans Ziel zu kommen. Bei ADEL VERPFLICHTET kommen verschiedene Spiel-Mechanismen zusammen. Besonders wichtig ist, sich in die Mitspieler hineinzudenken und andererseits selbst nicht das zu tun, von dem man schätzt, dass die anderen darauf tippen.

1991 – Drunter & Drüber
Die dummen Schildbürger haben ihre Stadt so unsinnig geplant und gebaut, dass ein wahres DRUNTER & DRÜBER herrscht. Das sollen die Spieler ändern und die Stadt reorganisieren. Da aber jeder versuchen muss, bestimmte Arten von Häusern zu erhalten, treibt jeder Spieler auf seine Weise quer. Das Spiel bietet viele Überraschungen, sorgt für Schadenfreude und dann gleich wieder für Ärger. Taktische Überlegungen sind zwar durchaus nötig, es spielt sich aber trotzdem leicht und zügig.

1992 – Um Reifenbreite
Als Teammanager eines Radrennteams kämpfen die Spieler um das Gelbe Trikot. Dazu müssen sie ihre Ressourcen gezielt einsetzen und nicht zuletzt auch Würfelglück haben. Das Spiel kann in verschiedenen Schwierigkeitsstufen gespielt werden, von denen die höchste auch schon ziemlich komplex ist. Sogar Schummeln ist erlaubt: Etwa kann man sich von einem Begleitfahrzeug ein Stückchen ziehen lassen. Man muss nur hoffen, das dieses Manöver später auf keinem Pressefoto zu sehen ist, was zur Disqualifikation führt.

1993 – Bluff
Diese im Grunde sehr simple Spiel ist ein typisches „Bier-und-Brezel-Spiel“, dass keine permanente Aufmerksamkeit von den Spielern fordert, ganz schnell zu lernen und auch gut „so nebenbei“ zu spielen ist.  Bei BLUFF würfeln die Mitspieler verdeckt mit einer variablen Anzahl von Würfeln und wetten auf die Zahl der entstandenen Paschs. Glück ist wichtig, aber auch gute Menschenkenntnis und schauspielerische Fähigkeiten.

1994 – Manhattan
Hier werden die Mitspieler zu Baulöwen, die sechs verschiedenen Städten, darunter natürlich auch Manhattan, ihren Stempel aufdrücken wollen. Sie bauen Wolkenkratzer und versuchen, die Oberhand innerhalb der Hochhäuser und Städte zu behalten. Aus dem anfänglich eher friedlichen Nebeneinander wird bald ein harter Kampf um höchste Türme und um jedes einzelne Haus. Man kann dabei aggressiv vorgehen oder auch versuchen, bis zum Schluss unauffällig zu bleiben und bei niemandem anzuecken.

Im zweiten Teil geht's weiter!

Kommentare

Heimlich & Co

Mit Heimlich & Co habe ich einige Zeit in meiner Kindheit verbracht. Der Erinnerungswert ist aber wohl größer als der Spielspaß, jetzt im Erwachsenenalter ;-)

Meine Lieblinge

Hallo Robert,
von den SdJ habe ich 24 schon gespielt, wie ich eben festgestellt habe.
Was auffällt ist die steigende Komplexität der Spiele bis heute (mit Ausnahmen, z.B. Keltis oder Villa Paletti).
Ich finde nachwievor "Die Siedler von Catan" und Carcassonne" am gelungendsten, da es auch Nichtspieler sehr schnell zu begeistern weiß und durch viele Erweiterungen und den variablen Spielaufbau immer wieder ein neuer Reiz entsteht.
Spieltechnisch finde ich jedoch "Torres", "Tikal" und "El Grande" am ausgereiftesten bzw. am herausfordernsten. Ist halt viel mehr an taktischen Möglichkeiten enthalten.
Wenn der Titel "SdJ" aber eher mit der Intension vergeben wird, einer möglichst breiten Schicht ein tolles Spielerlebnis zu ermöglichen, dann sind die letzten drei genannten eher fehl am Platz.
Überhaupt sind die nominierten Spiele so unterschiedlich in Genre, Schwierigkeitsgrad und Zielgruppe, dass man sie eigentlich kaum miteinander vergleichen kann. Konsequenterweise müsste ich dann also sagen, dass ich gar nicht "Das Beste" benennen kann.
GrußJürgen

Mein Tipp: RoboRally

Jaja, da merkt man wie alt man mittlerweile ist. Viele der Spiele wurden zumindest einmal angespielt, Heimlich & Co müßte mein erstes eigenes Spiel gewesen sein.
 
Selber bin ich heute den Wargames verschrieben (Spiele mit Anleitungen unter 40 Seiten kommen nicht mehr auf den Tisch :)) aber das ein oder andere "normale" Brettspiel habe ich auch in der Sammlung. Besonders hervorheben möchte ich hier mal RoboRally, ein Spiel bei dem kein Auge trocken bleibt. Beschreibung von Boargamegeeks: "Imagine that you're a supercomputer. Now imagine that you're bored. So you dream up a little contest for you and a couple of your supercomputing buddies. Your task is to move one of the stupid little robots out on the factory floor through a series of checkpoints scattered throughout the factory. The wrinkle, however, is that the factory floor is filled with all kinds of inconvenient (if not down-right deadly) obstacles located in various locations: conveyor belts, crushers, flame-throwers, pushers, teleporters, oil slicks, pits, et cetera. But the real fun comes when the robots cross each other's path, and suddenly your perfect route is something less than that..."
Mehr Infos hier: Info auf Boardgamegeek
palli

Spiel des Jahres To Go

Mein Favorit ist auf jeden Fall Scotland Yard, leider aber auch lange nicht mehr gespielt.
An die alten Scotland Yard Abende wurde ich auch gerade wieder erinnert, da es jetzt wohl eine moderne Variante gibt.
Scotland Yard to go hört sich wirklich cool an und muss unbedingt demnächst einmal getestet werden.
Also Scotland Yard +1 oder wie soll man seine Stimme abgeben?

Wow schon 30!

Da meine Eltern die Spiele eine zeitlang gesammelt haben kenne ich ziemlich viele davon. Mal schaun
- Rummikub: Ein absolutes Muss auf jeder Gruppenreise. Lustigerweise gehört es auch zu den Spielen, die am meisten Leute dabeihaben. Es ist halt echt gut.
- Sagaland: Uff, ich weiß garnicht mehr genau wie das geht, aber als Kind hab ich es geliebt!
- Auf Achse: Fand ich jetzt nicht so gut, aber die Männer meiner Familie standen immer drauf.
- Barbarossa: Das haben wir immer Weihnachten gespielt, könnte ich eigentlich dieses Jahr mal wieder vorschlagen ...
- Bluff: Ein echt gutes Spiel! Ok, man muss sein Köpfchen etwas anstrengen, aber sich alle mühe geben macht es echt Spaß!
- Manhattan: Mochte ich als Kind auch sehr gerne, mittlerweile finde ich es ein bisschen langweilig.
 
Hach was kommen da Erinnerungen hoch *träum*

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