Die angeblich reichweitenstärksten Preis- und Produktvergleicher
Eine Auswertung des Hamburger Marktforschungsinstituts Nielsen
Vor einigen Tagen bin ich auf eine Auswertung des Hamburger Marktforschungsinstituts Nielsen gestoßen, in der es um die angeblich reichweitenstärksten Preis- und Produktvergleicher Deutschlands ging. In Auftrag wurde die Auswertung von „Internet World Business“ gegeben. Beim ersten Überfliegen fielen mir einige Preisvergleichsdienste ins Auge von denen ich bisher nicht einmal etwas gehört hatte.
Hier das Ergebnis der Auswertung: Die reichweitenstärksten Preis- und Produktvergleicher
Ciao.de (Bing): 6, 73 Million Unique Audiences
Idealo.de: 3, 66 Million Unique Audiences
Preisroboter.de: 3, 41 Million Unique Audiences
Shopping.com: 3, 00 Million Unique Audiences
Shopzilla.com: 2, 27 Million Unique Audiences
Preisvergleich.de 2, 17 Million Unique Audiences
Billiger.de: 1, 95 Million Unique Audiences
Preisvgl.de: 1, 76 Million Unique Audiences
Geizkragen.de: 1, 33 Million Unique Audiences
Guenstiger.de: 1, 30 Million Unique Audiences
Stutzig macht mich an dieser Auswertung gleich der erste Platz, nämlich ciao.de. Wie der Name schon sagt, soll es um Preis- und Produktvergleicher gehen. Jedoch ist der an Bing (Microsoft Suchmaschine) angeschlossene Internetauftritt kein reiner Preisvergleich, sondern vor allem eine Community- und Bewertungsplattform. Die Frage ist also: Wo kommt der Traffic her und wo geht er hin? In der Auswertung von Nielsen ist das jedenfalls nicht klar erkennbar. Sind die hohen Unique Audiences tatsächlich nur Visitors des Preisvergleichs? Und wenn ja, wo ist dann Google Shopping?
Dasselbe gilt für geizkragen.de. Auch hier sind eine große Communityplattform sowie ein eigenes Magazin angeschlossen. Zwar ist der Unique Audience Anteil hier nicht so überraschend hoch, trotzdem stellt sich auch hier die Frage, ob diese tatsächlich nur für den Teil des Produktvergleiches gelten. Preisvgl.de scheint eine Witelabel-Lösung von shopping.com zu sein. Ich persönlich hatte von diesem Vergleichsportal noch nie etwas gehört. Aber das muss ja nichts heißen.
Besonders fraglich sind allerdings die Auswertungsergebnisse von shopzilla.com. 2, 27 Millionen Unique Visitors und das, obwohl auf der Seite selbst nicht besonders viel Abwechslung herrscht. Okay, die sind in den USA eine wirklich große Nummer, aber bei einer Top Kategorie wie Fernseher gibt es hier nur vier Shops. Zwei dieser Shops sind Amazon. Wo gehen die ganzen Besucher denn hin? Wie kann bei einer solchen Auswahl ein so hoher Traffic entstehen? Ich für meinen Teil bin hier wirklich überfragt.
Um ein besseres Bild zu bekommen, habe ich mich an eVendi gewandt und mit dem Geschäftsführer Malte Schiphorst gesprochen. Auch hier herrschte eine leichte Verwunderung über die Auswertung von Nielsen. Ich bekam Einblick in die Auswertungen zweier Händler, einer davon sehr groß und der andere etwas kleiner. Es fiel schnell auf, dass die Zugriffe zu den Händlern ganz anders aussehen.
Geizkragen.de und ciao.de sind in der Zugriffszahl in etwa auf einer Höhe mit eVendi. Mal mehr, mal weniger. Im Großen und Ganzen gibt es aber keine auffälligen Unterschiede. Shopping.com liegt allerdings in den Zahlen der Händler weit hinter dem ersten Preisvergleich eVendi.de. Shopzilla.com taucht in den Auswertungen nicht einmal auf, befindet sich aber bei Nielsen immerhin auf Platz Fünf. Bei diesem Bild kann ich nur noch mal fragen: Wie können so hohe Unique Audiences entstehen, wenn nur eine Handvoll Shops überhaupt auf der Seite gelistet sind?
Verwunderlich finde ich übrigens auch, dass einer der konversionsratenstärksten Preisvergleiche gar nicht in der Statistik auftaucht. Bei den Zahlen von Nielsen scheint die Segmentierung wirklich sehr unscharf zu sein. Die Ergebnisse sind ja schön und gut. Trotzdem hätte eine genauere Erklärung dieser, jedenfalls bei mir, einen besseren Eindruck hinterlassen. So finde ich die Auswertung einfach höchst fragwürdig. Was meint Ihr dazu?

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